Markus C. Zschabers n-tv-Kolumne



Markus C. Zschaber schreibt eine regelmäßige Expertenkolumne für den Nachrichten- und Börsensender n-tv über aktuelle Ereignisse der Finanzwelt. Die jeweils fünf letzten Stellungnahmen können Sie hier nachlesen:


n-tv-Kolumne | 10. März 2010: Der Aufschwung kommt (mehr)
In meinem Investmentprozess haben sich die Stabilisatoren für die jüngste Weltwirtschaftskrise im Vergleich zu der Vielzahl an vergangenen Krisen dahin verschoben, dass es nicht mehr die Industrienationen sind, die als solche definiert werden, die eine hohe Produktivität vorweisen können, sondern die Nationen, die über eine geringe Verschuldung und eine ökonomische Wachstumsstruktur verfügen.

Zum ersten Mal in der Geschichte des marktwirtschaftlichen Geflechts stellen diese Nationen die Emerging Markets dar, was bedeutet, dass man durchaus von einem gewissen Paradigmenwechsel sprechen könnte, vielleicht sogar sprechen muss. Wenn ich in meiner Funktion als Vermögensverwalter das Marktgeschehen auf ökonomischen Sachverstand prüfe, bleibt festzuhalten, dass die Wachstumsprämien, welche an den Märkten für diese besagten Emerging Markets zu erzielen waren und zu erzielen sind, auch als gerechtfertigt einzustufen sind, denn die wirtschaftliche, finanzielle und potenzielle Gesamtstruktur dieser Volkswirtschaften gilt als gesund.

„Der Aufschwung kommt“ ist der Titel meines neuen Buches und dieser beschreibt in der Konsistenz genau diese Perspektive der Emerging Markets, dass sie im Hinblick auf die Verwerfungen, welche die Weltwirtschaftskrise hervorgerufen hat, die Gewinner im internationalen Vergleich sind. Auf der anderen Seite beschreibt es aber auch, dass der Wohlstandsanspruch auf zukünftiges Wachstum und Produktivität in einigen Teilen der Industrienationen nicht der Realität entspricht. Wenn ich mir das ökonomische Gesamtgerüst der USA vor Augen halte, kann mittlerweile von einer echten Bescheidenheit der Marktteilnehmer gesprochen werden. Fakt ist, dass die USA seit Beginn der Krise ein Staatsdefizit von über 2.500 Mrd. US-Dollar neu generiert hat, um die Güter- und Liquiditätströme überhaupt zu stabilisieren, somit auf niedrigem Niveau. Fakt ist, dass die USA bei einem Leitzins von 0 bis 0,25 Prozent de facto ein negatives Realzinsniveau seit nun mehr als 12 Monaten akzeptieren muss, um die Konjunktur zu stützen. In der gesamten USA wurden seit Beginn der Krise 8,5 Mio. Stellen abgebaut (ohne Agrarsektor), so dass in naher Zukunft auch mit keiner erhöhten Lohndynamik zu rechnen ist, die wiederum zu einem höheren privaten Verbrauch führen könnte. Den positiven Impuls, den derzeit viele andere Marktteilnehmer für die USA erkennen, dass sich die Bruttoanlageinvestitionen der US-Unternehmen gesteigert haben, um für eine positive Dynamik des US-Markts zu sprechen, teile ich nicht. Denn betrachtet man diese Investitionen im Detail, kann zum einen festgehalten werden, dass sich der fiskalpolitische Impuls bei der Staatsverschuldung sukzessive reduzieren wird, auf der anderen Seite der Lagerzyklus diese besagten Investitionen verzehrt.

Der wichtigste Aspekt, den ich aber in Bezug auf die Investitionen erkenne, ist, bei einer Bereinigung um den Lagerzyklus, dass es sich bei den restlichen Investitionen nicht um Erweiterungsinvestitionen handelt, sondern um sogenannte Rationalisierungsinvestitionen. Das Fundament neuer struktureller Investitionsbereitschaft bei den Unternehmen gilt nach meiner Ansicht als nach wie vor dünn, was auch durch die geringfügigeren Produktionsmenge der US-Volkswirtschaft, die niedrige Kapazitätsauslastung und die bereits tendenziell hoch verschuldeten US-Firmen untermauert wird. Daraus resultiert nach meinem ökonomischen Weltbild, dass sich die gesamtwirtschaftlichen Abhängigkeiten des globalen System sukzessive und in zunehmender Dynamik von den USA hin zu den strukturell gesunden Volkswirtschaften hinbewegen werden und eine Umverteilung der Liquiditätsströme, durchaus in naher Zukunft, noch stärker stattfinden wird. Der Aufschwung kommt – in Kombination mit einem sich intensivierenden Paradigmenwechsel, einer zunehmenden Anpassung bzw. Umverteilung der Liquidität und einer neuen Wachstumsquelle.

Bereits heute tragen die Emerging Markets einen mehr als fünzigprozentigen Beitrag zum weltweiten Bruttoinlandsprodukt und durch die Krise sind diese nicht gerade schwächer geworden. Im Gegenteil, häufig nutzen diese Nationen und ihre Unternehmen die aktuelle Situation aus, um sich Technologie – Know-how direkt im Westen einzukaufen, wie das Beispiel Volvo zeigt. Interessant ist, dass in diesen Volkswirtschaften die eigenen Absatzmärkte mittlerweile ein solches Potenzial mitbringen, dass die Interessenslagen der großen Schlüsselindustrien sich dahingehen verschoben haben, dass die westlichen Unternehmen diese für sich zunehmend stärker nutzen wollen und auch bereit sind, um Marktanteile im Westen dafür aufzugeben. Die Marktteilnehmer honorieren dies bis dato zufriedenstellend. Die Frage ist nur: Wie lange wird ihre Bescheidenheit andauern, vor allem wenn der Wettbewerb in Fernost nicht gerade dazu beitragen wird, dass die heimischen historischen Gewinnwachstumsraten zukünftig eher nach unten angepasst werden müssen.

Ihr Markus C. Zschaber
 
n-tv-Kolumne | 1. März 2010: Die Lüge und der gesellschaftliche Schaden (mehr)
Weltweit wurden in den Jahren 2008, 2009 und auch bereits 2010 hunderte, wenn nicht sogar tausende an Milliarden US–Dollar durch Staaten und Notenbanken in die Hand genommen, um die Bankenlandschaft vor einem Kollaps zu bewahren. Die Begründungen und Argumentationen für diese Rettungsmaßnahmen waren eigentlich von allen Politikern und Notenbankern rund um den Globus die gleichen: „Im Interesse der gesamten Gesellschaft müssen die Banken mit diesen Summen gerettet und finanziell gestützt werden, sonst würde die Wirtschaft in eine schwere Depression stürzen und die Finanzmärkte im Chaos enden.“

„Die großen Investmentbanken müssen gerettet werden, um die Transfer, - Investitions-, Finanzierungs-, bzw. Kreditgeschäfte aufrecht zu erhalten“. Als Vermögensverwalter und Ökonom habe ich diesbezüglich zwei unterschiedliche Auffassungen: Als Vermögensverwalter, der sich tagtäglich in den Finanzmärkten aufhält und das anvertraute Kapital dort investiert und strukturiert, bin ich der Überzeugung, dass es nur durch eine gigantische Ausweitung der staatlich instrumentalisierten Geldmenge möglich war, dem Stress innerhalb des gesamten Finanzmarktes beizukommen und diesen auf ein erträgliches Niveau zu reduzieren. Wären die Notenbanken nicht eingeschritten, hätten die weltweiten Vermögensverluste wohl nicht bei 52 Tausendmilliarden US-Dollar gelegen, sondern bei einem Vielfachen davon. Als Ökonom allerdings erachte ich den Entschluss der weltweiten Notenbanken, aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive, ein solch hohes Maß an Interventionen als gefährlich und ökonomisch nicht nachhaltig effizient. Genau hier gilt es auch die Aussagen bzw. die Argumente der Politik zu hinterfragen: Zum einen hat sich jetzt gezeigt, dass der Vorwand, dass die Banken unbedingt gerettet werden müssen, um den Kreditzyklus für die Privatpersonen bzw. die Unternehmen am Leben zu erhalten, der Unwahrheit entspricht. In den USA sowie in vielen Regionen Europas ist die Kreditvergabe seit den Liquiditätsspritzen deutlich rückläufig, da die Banken nicht im gemeinnützigen Interesse der Wirtschaft agieren, sondern ausschließlich im Interesse des „share-holder-value“.

Sie sind also lediglich an der eigenen Rentabilität bzw. an der eigenen Gewinnsituation interessiert. Ein weiteres Argument der Politik, das für eine Bankenrettung gegenüber der Öffentlichkeit ausgesprochen wurde, war, dass die Anlegerkonten stark bedroht gewesen wären, wenn eine Rettung nicht erfolgt wäre. Was die Bedrohung der Konten betrifft, kann ich zwar partiell zustimmen, der eigentlich deutlich entscheidendere Hintergrund wurde aber kleinlaut verschwiegen. Denn in erster Linie hätten die großen finanziellen Institutionen, deren Lobby als die Mächtigste der Welt gilt, darunter gelitten, dass die von Ihnen im Portefeuille gehaltenen Bankanleihen und Bankaktien noch stärker unter Druck gekommen, wenn nicht sogar wertlos geworden wären. Hätten die Staaten statt einer grundsätzlichen für alle Bankhäuser geltenden Bankengarantie nur eine Garantie für die Banken, die in der Vergangenheit ein gesundes und finanziell starkes Geschäftsmodell verfolgt haben, ausgesprochen, wäre zwar der Stress in den Finanzmärkten erstmal nicht begrenzt worden, aber nachhaltig hätte eine Bereinigung im Bankensektor stattgefunden.

Größe spricht gegen Rettung

Als Ökonom gilt es den Gesamteffekt und die daraus entstandenen und noch entstehenden Kosten, welche zukünftige Wohlstandsverluste für die gesamte Gesellschaft bedeuten werden, mit dem besagten abgemilderten Rettungsszenario im Vergleich zu bewerten. Aus dieser Sichtweise gilt es als empirisch erwiesen, dass ein Unternehmen bzw. eine Schlüsselindustrie immer nur auf Kosten eines anderen Wirtschaftsteils bzw. Gesellschaftszweigs künstlich gestützt werden kann. Aus makroökonomischer Sichtweise gilt: Je größer ein Unternehmen ist, desto weniger sollte man befürworten, dieses Unternehmen zu retten. Außerdem sollte nicht vergessen werden, dass bei einer Insolvenz das Unternehmen ja nicht von heute auf morgen einfach verschwindet, sondern es werden die effizienten und rentablen Unternehmensteile verkauft und die vorhandenen Ressourcen auf den Käufer übertragen.

Betrachtet man die gesamte Bankenlandschaft, kann festgehalten werden, dass das eigentliche Geschäftsmodell der großen Privatbanken durchaus sehr profitabel ist und als gesund eingestuft werden kann. Nur der Eigenhandel und die Neustrukturierung von immer neuen Produktalternativen führte im Zuge der Krise dazu, dass immer mehr Eigenkapital von Nöten war, welches die entstandenen Vermögensverluste kompensierte. Schlussendlich hätten abgemilderte Rettungsmaßnahmen dazu geführt, dass zwar einige Banken vom Markt verschwunden wären, auf der anderen Seite aber die gesunden Bereiche von anderen Marktteilnehmern aufgekauft geworden wären.

Das entspricht dem marktwirtschaftlichen Mechanismus und hätte womöglich kurzfristig den Stress an den Finanzmärkten erhöht, mittelfristig aber die ökonomischen und finanziellen Kosten für die Gesellschaft begrenzt. Es steht heute bereits fest, dass das Vermächtnis der jetzigen Generation an die vielen noch zukünftig entstehenden Generationen vor allem eins sein wird – Schulden.

Ihr Markus C. Zschaber
 
n-tv-Kolumne | 22. Februar 2010: Die Korrelation der Märkte (mehr)
Betrachtet man die letzten fünf bis zehn Jahren an den internationalen Finanzmärkten, so kann festgestellt werden, dass das globalisierte Wachstum der internationalen Volkswirtschaften insgesamt seinen Beitrag dafür geleistet hat, die großen Investorengruppen davon zu überzeugen, dass ihre Investitionen nachhaltig rentabel sein werden und eine attraktive Risikoprämie mit hoher Wahrscheinlichkeit einzustreichen ist.

Das bedeutet, dass der ausschlaggebende Multiplikator, welcher die Finanzmärkte vor der Weltwirtschaftskrise in diese überproportionalen Kurshöhen getrieben hat, die Liquidität war. Die Liquidität, die in dieser Zeit bereitgestellt wurde, wuchs expotenziell an, was soviel bedeutet wie, dass das investierte Volumen sich von Jahr zu Jahr steigerte. Aber: Wie konnte dieses Liquiditätswachstum entstehen?

Die Antwort ist relativ leicht zu finden: Als das Eigenkapital aufgebraucht wurde, wurden Fremdmittel, also Kredite, in allen nur erdenklichen Formen genutzt, um noch mehr Liquidität zu erzeugen. Die Problematik war allerdings, dass viele Märkte, wie beispielsweise der US-Immobilienmarkt, nicht nachhaltig in der Verfassung waren, diese Liquidität ökonomisch zu verarbeiten, weil diese in ihrer gesamten Struktur einfach als zu klein einzustufen sind. Resultierend daraus stiegen die Preise so stark an, dass diese größtenteils nichts mehr mit einer realistischen und fundamentalen Bewertung zu tun hatten.

Liquidität verändert den Charakter

Fakt ist, dass soviel Liquidität entstand, welche dann in den Finanzmarkt investiert wurde, dass sich der Charakter des gesamten Marktes wandelte. Wenn man einmal überlegt, dass Investmentbanken wie beispielsweise Goldman Sachs, die eine Bilanzsumme von über 884 Mrd. US-Dollar haben und eigentlich nur als ein großer „Hedgefonds“ an den Märkten agieren und ihre eigene Liquidität verwalten und investieren, dann gilt das meiner Ansicht nach als Symbolik dafür, wie viel Liquidität in den letzten Jahren entstanden ist.

Genau diese Liquidität hat dafür gesorgt, dass die meisten Anlageklassen, bis auf wenige Ausnahmen, einem neuen Muster unterliegen. Betrachtet man den Kursverlauf von Aktien auf der ganzen Welt, die gehandelten Rohstoffpreise oder die Devisenkurse, wird eines ganz deutlich – alle haben einen sehr identischen zyklisierten Verlauf. Diese „Primär-Korrelation“, wie ich diesen linearen Zusammenhang der großen Anlageklassen beschreibe, besteht, wie angesprochen, seit einigen Jahren und eigentlich wird diese Entwicklung durch die Marktteilnehmer akzeptiert.

Jetzt werden Investoren vielleicht sagen, dass das Grundprinzip des Marktes sich dadurch sehr vereinfacht hat, denn es muss sich jetzt nur noch die Frage gestellt werden, wann ich in den Finanzmarkt investiere und wann ich Cash halte. Dieses Prinzip widerspricht allerdings allen meinen marktwirtschaftlichen Kenntnissen, welche ich mir in den vergangenen 25 Jahren als Vermögensverwalter und Ökonom angeeignet habe. Wenn ich die angesprochene Verhaltensweise der Marktteilnehmer versuche zu rationalisieren, komme ich immer wieder zu dem Ergebnis, dass dieses Kauf- und Verkaufverhalten wohl rein aus der Emotion her kommt.

Ableitend aus den aufgeführten Aspekten bedeutet dies, dass zum einen die Liquidität nun einmal da ist und diesbezüglich gehandelt werden muss, zum anderen aber, dass die Impulsgebung für das Handeln auf einen Nenner heruntergebrochen nur die Inflation oder die Deflation zu sein scheint. Hieraus resultiert, dass wenn die Märkte Inflation befürchten, dann die Liquidität in Aktien, Rohstoffe, Währungen oder Gold investiert wird. Wenn jedoch Deflation erwartet wird, dann werden vermehrt Festgeld und Staatsanleihen gesucht.

Dies erklärt nach meiner Ansicht die hohe Korrelation innerhalb der risikoorientierten Märkte und innerhalb der risikoscheuen Märkte. Aufgrund der Schwere der vorhergegangenen Krise wird die vorhandene Liquidität derzeit in extremem Maß nur zwischen den besagten Segmenten hin und her geschoben. Bewerte ich aber die ökonomische Struktur der zurückliegenden Krise, so sollte die natürliche Reaktion auf den vorhergegangen inflationistischen Boom an den Finanzmärkten eine deflationäre Krise sein. Dies wurde aber durch die Reaktionen der Regierungen und Notenbanken weltweit insofern verhindert, indem diese einfach Tausende an Milliarden US-Dollar den Märkten bereitstellten, so dass ein normales Funktionieren des Marktes nicht möglich war. Dieser Eingriff sorgte maßgeblich dafür, dass sich die Finanzmärkte in diesem gleichlaufenden Muster befanden. Hätten die besagten Notenbanken und Staaten nicht in diesen Dimensionen eingegriffen, wären die Märkte an ihre Belastungsgrenzen gestoßen und die globale Wertschöpfung hätte sich noch tiefer und scherzhafter reduziert.

Insgesamt gilt somit dieses Verhalten als nachvollziehbar. Fakt ist allerdings, dass sie die Liquiditätsschleusen soweit öffnen mussten, wie noch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Das bedeutet, dass die bereits vorhandene Liquidität nochmals signifikant gesteigert wurde und diese Liquidität ebenfalls investiert werden muss. Aufgrund dieses gigantischen Liquiditätsvolumens wird sich das korrelative Marktverhalten in den risikoreicheren bzw. in den risikoärmeren Anlagesegmenten wohl sehr wahrscheinlich noch verstärken. Die marktrelevanten Trendrichtungen – Inflation oder Deflation – werden nach meinen Erkenntnissen die entscheidenden Einflussgrößen sein, die es detailgenau zu bewerten gilt.

Ihr Markus C. Zschaber
 
n-tv-Kolumne | 8. Februar 2010: USA: Unwirkliches Wachstum (mehr)
Die schwerste ökonomische Krise seit dem zweiten Weltkrieg geht in eine Stabilisierungsphase über, was auf verschiedenste Impulsgebungen zurückzuführen ist. Hauptverantwortlich dafür, dass die Märkte wieder Auftrieb erhielten, waren vor allem die geldpolitischen, fiskalpolitischen und wirtschaftspolitischen Anreize bzw. Maßnahmen, die weltweit entworfen und umgesetzt wurden. Dadurch konnten weitere exogene Schocks, wie die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008, verhindert werden.

Mir bleibt als Ökonom und Vermögensverwalter auf den ersten Blick nur festzuhalten, dass diese besagten Maßnahmen richtig waren und sich stabilisierend auf das Marktgeschehen auswirkten. Die Kosten für diese Stabilisierungsmaßnahmen, ob Konjunkturpakete, Steuergutschriften, Bankenrettungspakete respektive Liquiditätsspritzen oder Infrastrukturprojekte sind so immens hoch, dass der nominale Wert fast nicht mehr greifbar ist und eigentlich unvorstellbar wirkt.

Die vielen tausend Milliarden US-Dollar, die benötigt wurden, um das System vor einem Infarkt zu schützen und vor einem eventuellen weiteren Kollaps zu bewahren, stellen eine schier unvorstellbare Summe dar. Wenn die Stabilisatoren greifen und der ökonomische Mechanismus wieder nachhaltig funktioniert, stellt sich die Frage: Welchen Mehrwert haben diese milliardenschweren Stützungsmaßnahmen in Bezug auf die Wertschöpfungskette tatsächlich gebracht?

In der Volkswirtschaft hat der Staat nur zwei Möglichkeiten, um in den konjunkturellen Zyklus einzugreifen. Zum einen durch eine Erhöhung der Staatsausgaben und/oder eine Senkung der Steuern, um die Wirtschaft zu stimulieren oder durch Senkung der Staatsausgaben und/oder Erhöhung der Steuern, um die Wirtschaft vor Überhitzungen zu schützen. Da wir uns bis Mitte des letzten Jahres in einer konjunkturellen Misere befanden, ist die Frage, welche Maßnahmen, ob Erhöhung der Staatsausgaben oder Senkung der Steuern bzw. eine Kombination aus beidem tatsächlich für nachhaltiges dynamisches Wachstum sorgen können.

Für mich steht fest, dass die Wirkung der Staatsausgaben, wie es auch in der gesamten Historie des Kapitalismus immer wieder bewiesen wurde, nur sehr untergeordnete Impulse für die Expansionsdynamik erzeugen wird. Wenn der Staat als neuer Mitspieler in einem marktwirtschaftlichen System auftritt, muss dieser auf Kapazitäten zurückgreifen, die der privaten Wirtschaft in diesem Moment entzogen werden. Das wiederum begrenzt Investitionen und somit wird das strukturelle Wachstum einer Wirtschaft beeinträchtigt. Investitionen gelten nach meiner ökonomischen Vorstellung als Hauptantriebsfaktor unseres globalisierten Weltbilds, so dass, wenn überhaupt, durch eine Erhöhung der Staatsausgaben kurzfristig nur Vertrauenseffekte hervorgerufen werden. Der Multiplikator Staatsausgaben gilt daher für mich als politisches Instrument gegenüber der Bevölkerung aber nicht als Wertschöpfungskonzept. Steuersenkungen können in einem rezessiven Umfeld dagegen durchaus für finanzielle Entlastung bei den Unternehmen und den Verbrauchern sorgen, wenn diese ökonomisch sinnvoll eingesetzt werden.

Das bedeutet, dass diese in einem konjunkturellen Tief realisiert werden können und in der anschließenden Aufschwungphase wieder zurückgeführt werden müssen. Hierin liegt allerdings die Problematik, da sich die Politiker oftmals nach einer Krise in einem Interessenskonflikt befinden. Auch die in einer Aufschwungphase benötigten Steuererhöhungen bringen keine Sympathien bei den Wählern. Dennoch steht für mich fest, dass der Multiplikator in Bezug auf das aus Steuersenkungen resultierende Wachstum um Längen größer ist, als bei einer Erhöhung der Staatsausgaben. Das bedeutet wiederum, dass die fiskalpolitische Ausrichtung unserer deutschen Politiker bisher nicht allzu viele Vorteile in puncto zukünftiges ökonomisches Potenzial hervorgebracht haben. Im Gegenteil: Es bleibt abzuwarten, ob sich die nicht vorhandenen Wachstumseffekte in Kombination mit einer horrenden Haushaltsverschuldung, zukünftig steigenden Zinslasten und höheren Refinanzierungskosten nicht irgendwann als schwere Hürde erweisen werden, die es zu erklimmen gilt.

Ihr Markus C. Zschaber
 
n-tv-Kolumne | 1. Februar 2010: Fiskalpolitische Multiplikatoren (mehr)
Die schwerste ökonomische Krise seit dem zweiten Weltkrieg geht in eine Stabilisierungsphase über, was auf verschiedenste Impulsgebungen zurückzuführen ist. Hauptverantwortlich dafür, dass die Märkte wieder Auftrieb erhielten, waren vor allem die geldpolitischen, fiskalpolitischen und wirtschaftspolitischen Anreize bzw. Maßnahmen, die weltweit entworfen und umgesetzt wurden. Dadurch konnten weitere exogene Schocks, wie die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008, verhindert werden.

Mir bleibt als Ökonom und Vermögensverwalter auf den ersten Blick nur festzuhalten, dass diese besagten Maßnahmen richtig waren und sich stabilisierend auf das Marktgeschehen auswirkten. Die Kosten für diese Stabilisierungsmaßnahmen, ob Konjunkturpakete, Steuergutschriften, Bankenrettungspakete respektive Liquiditätsspritzen oder Infrastrukturprojekte sind so immens hoch, dass der nominale Wert fast nicht mehr greifbar ist und eigentlich unvorstellbar wirkt.

Die vielen tausend Milliarden US-Dollar, die benötigt wurden, um das System vor einem Infarkt zu schützen und vor einem eventuellen weiteren Kollaps zu bewahren, stellen eine schier unvorstellbare Summe dar. Wenn die Stabilisatoren greifen und der ökonomische Mechanismus wieder nachhaltig funktioniert, stellt sich die Frage: Welchen Mehrwert haben diese milliardenschweren Stützungsmaßnahmen in Bezug auf die Wertschöpfungskette tatsächlich gebracht?

In der Volkswirtschaft hat der Staat nur zwei Möglichkeiten, um in den konjunkturellen Zyklus einzugreifen. Zum einen durch eine Erhöhung der Staatsausgaben und/oder eine Senkung der Steuern, um die Wirtschaft zu stimulieren oder durch Senkung der Staatsausgaben und/oder Erhöhung der Steuern, um die Wirtschaft vor Überhitzungen zu schützen. Da wir uns bis Mitte des letzten Jahres in einer konjunkturellen Misere befanden, ist die Frage, welche Maßnahmen, ob Erhöhung der Staatsausgaben oder Senkung der Steuern bzw. eine Kombination aus beidem tatsächlich für nachhaltiges dynamisches Wachstum sorgen können.

Für mich steht fest, dass die Wirkung der Staatsausgaben, wie es auch in der gesamten Historie des Kapitalismus immer wieder bewiesen wurde, nur sehr untergeordnete Impulse für die Expansionsdynamik erzeugen wird. Wenn der Staat als neuer Mitspieler in einem marktwirtschaftlichen System auftritt, muss dieser auf Kapazitäten zurückgreifen, die der privaten Wirtschaft in diesem Moment entzogen werden. Das wiederum begrenzt Investitionen und somit wird das strukturelle Wachstum einer Wirtschaft beeinträchtigt. Investitionen gelten nach meiner ökonomischen Vorstellung als Hauptantriebsfaktor unseres globalisierten Weltbilds, so dass, wenn überhaupt, durch eine Erhöhung der Staatsausgaben kurzfristig nur Vertrauenseffekte hervorgerufen werden. Der Multiplikator Staatsausgaben gilt daher für mich als politisches Instrument gegenüber der Bevölkerung aber nicht als Wertschöpfungskonzept. Steuersenkungen können in einem rezessiven Umfeld dagegen durchaus für finanzielle Entlastung bei den Unternehmen und den Verbrauchern sorgen, wenn diese ökonomisch sinnvoll eingesetzt werden.

Das bedeutet, dass diese in einem konjunkturellen Tief realisiert werden können und in der anschließenden Aufschwungphase wieder zurückgeführt werden müssen. Hierin liegt allerdings die Problematik, da sich die Politiker oftmals nach einer Krise in einem Interessenskonflikt befinden. Auch die in einer Aufschwungphase benötigten Steuererhöhungen bringen keine Sympathien bei den Wählern. Dennoch steht für mich fest, dass der Multiplikator in Bezug auf das aus Steuersenkungen resultierende Wachstum um Längen größer ist, als bei einer Erhöhung der Staatsausgaben. Das bedeutet wiederum, dass die fiskalpolitische Ausrichtung unserer deutschen Politiker bisher nicht allzu viele Vorteile in puncto zukünftiges ökonomisches Potenzial hervorgebracht haben. Im Gegenteil: Es bleibt abzuwarten, ob sich die nicht vorhandenen Wachstumseffekte in Kombination mit einer horrenden Haushaltsverschuldung, zukünftig steigenden Zinslasten und höheren Refinanzierungskosten nicht irgendwann als schwere Hürde erweisen werden, die es zu erklimmen gilt.

Ihr Markus C. Zschaber
 
n-tv-Kolumne | 25. Januar 2010: Wachstum und Enttäuschung in Europa (mehr)
Der Risikoappetit der Banken ist nach meiner Auffassung viel zu hoch. Gerade das aktuelle Momentum der Zinsmärkte ist gefährlich, da die Zinskurve als sehr steil einzustufen ist. Dies hat, in Kombination mit niedrigen Refinanzierungs-/Kreditzinsen in der Vergangenheit, die Banken dazu veranlasst, höhere Risiken einzugehen. Nach meiner Auffassung besteht die Gefahr darin, dass bei Zinsanpassungen entsprechende Kursverluste entstehen werden.

Was droht genau? Die Wertpapiere, die sich mittlerweile im hohen Umfang in den Bankbilanzen befinden, sind unter dem Strich eine Wette, dass die Zinsen in den USA sowie in Europa niedrig bleiben. Insgesamt kann man den Eigenhandel der Banken derzeit als großen Carry-Trade bezeichnen, da sich die Banken zu günstigen Konditionen Geld leihen und dieses Kapital in höher verzinste Anlagen, wie beispielsweise Staatsanleihen, investieren. Vergleicht man die derzeitige Situation an den Anleihemärkten mit 1994, als die US-Notenbank in kurzer Zeit die Zinsen in sieben Schritten um insgesamt 3 Prozentpunkte erhöhte, könnten stürmische Zeiten bevor stehen. Mit den Zinsanhebungen stürzten damals die Anleihenkurse auf der ganzen Welt nahezu ins Bodenlose. Betrachtet man die Renditestruktur von 10-jährigen Treasuries, so stieg diese um nahezu 2,5 Prozentpunkte an.

Fakt ist, dass nach meiner Auffassung das Marktmomentum zeigen wird, wie schwerwiegend die Kurskorrektur bei den Anleihen ausfallen wird. Die Historie hat bewiesen, dass die Gefahr hoher Haushaltsdefizite in Kombination mit öffentlicher Verschuldung den Markt sehr schnell zu der Auffassung bewegen könnte, dass die Erwartungen schlechter ausfallen als sie eigentlich sind. Die Gefahr, dass Kurskorrekturen von bis zu minus 15 Prozent im Segment der Staatsanleihen mit Investmentgrade bestehen, sehe ich somit durchaus gegeben, da einfach die zusätzlich und künstlich angeheizte Nachfrage nach diesen Assets zu groß war und ist. Im Non-Investmentgrade können sogar noch höhere Kurskorrekturen erwartet werden. Darüber hinaus bewerte ich die Märkte generell als durchaus gefährlich, da sie sich, aufgrund der horrenden Milliardensummen, welche in den Marktmechanismus eingedrungen sind, in einem gewissen Zyklus der Ineffizienz bewegen. Die marktwirtschaftliche Gesetzgebung ist meiner Ansicht nach zumindest partiell gestört. Betrachtet man den besagten Kursverlauf bei Staatsanleihen, so kann dieser in den vergangenen Wochen und Monaten als ungebrochen stark eingestuft werden. Auf der anderen Seite steigt der Goldpreis von einem Hoch zum nächsten. Für dieses Marktverhalten fehlt nach meiner Einschätzung eine rationale bzw. ökonomische Begründung. Denn entweder steigt die Inflation in einigen Jahren, was zur Konsequenz hätte, dass Staatsanleihen heute als viel zu teuer einzustufen wären, oder die Inflation steigt nicht, dann gilt meiner Ansicht nach der Goldpreis als viel zu hoch. Nach meinem Grundverständnis findet eine parallele Wertsteigerung keine Relevanz und kann somit nur durch irrationale Gründe erfolgen.

Ein weiterer Aspekt, welchen ich kritisch betrachte, ist das immense Emissionsvolumen von Unternehmensanleihen der europäischen und US-amerikanischen Industrieunternehmen im letzten Jahr und die bereits angekündigten in diesem Jahr. Alleine im letzten Jahr wurden seitens der europäischen Unternehmen über 400 Mrd. Euro an neuen Unternehmensanleihen emittiert und fanden, auch aufgrund der niedrigen Zinsmärkte, einen reißenden Absatz. Die Unternehmen suchten sich also getreu der Marktwirtschaft neue Refinanzierungswege, da aufgrund der Kreditklemme die Banken keine wirklichen Anstalten machten, den Kapitalstock der Unternehmen zu erhöhen. Problematisch ist allerdings, dass diese besagten Unternehmensanleihen größtenteils mittelfristige Laufzeiten haben, was bedeutet, dass diese ab dem Jahr 2013 sukzessive auslaufen und neue Finanzierungen durch Neuemissionen benötigt werden. Gleichzeitig müssen allerdings, aufgrund der Krise 2000 bis 2003, aber viele Staatsanleihen ebenfalls zu diesem Zeitraum refinanziert werden, so dass allein 2012 die Bankenbranche weltweit 7000 Mrd. US-Dollar an Krediten umschulden muss. Die kommenden Jahre werden also eine echte Belastungsprobe für den internationalen Rentenmarkt darstellen. Denn wenn die Befürchtungen von Staatspleiten weiterhin anhalten und sich dadurch die Nachfrage nach Anleihen, bei einem sich gleichzeitig deutlich ausweitenden Angebot, reduziert, gibt es nur eine mögliche Reaktion an den Bondmärkten - eine Konsolidierung.

Ihr Markus C. Zschaber
 
n-tv-Kolumne | 18. Januar 2010: Die Woche der Wahrheit (mehr)
Von Dienstag bis Freitag veröffentlichen die Citigroup, IBM, Bank of America, Ebay, Morgan Stanley, Starbucks, US Bancorp, Wells Fargo & Co, American Express, Google, Goldman Sachs, McDonald’s und General Electric ihre Bilanzabschlüsse, so dass diese Woche, mit Blick auf die kommenden Wochen, eine Trendrichtung für die Aktienmärkte vorgeben sollte. Bereits letzte Woche machte JP Morgan einen richtungsweisenden Anfang für die Bankenlandschaft. Im Großen und Ganzen bewerte ich die Zahlen als ordentlich, aber nicht als überragend.

Nach meiner Auffassung liegt genau hier aber die Problematik. Die Erwartungen für den Bankensektor sind, aufgrund der letzten beiden Quartale, welche durchaus als sehr ertragsstark einzustufen waren, sehr stark angestiegen. Die Zahlen sollten zwar, aufgrund der nach wie vor attraktiven Kapitalmarktbedingungen, bei Citigroup, Bank of America, Morgan Stanley und Goldman Sachs positiv ausfallen, aber unter den Ansprüchen der Marktteilnehmer liegen. Das Enttäuschungspotenzial ist durchaus als relativ hoch einzustufen, was zu volatilen Märkten führen sollte. Die Problematik, die nach meiner Meinung noch hinzukommt, ist, dass viele Marktteilnehmer gerade in puncto Banken die wahrscheinlich nicht ganz so optimistischen Zahlenwerke nutzen könnten, um die zuletzt immer höher angestiegenen Gewichtungen des Sektors innerhalb der Portefeuille zu reduzieren. Das wird die Stimmung eintrüben, falls die Controller der Banken nicht noch das ein oder andere Ass im Ärmel haben sollten.

Zusätzlich gilt das politische Risiko einer sogenannten Strafsteuer für die US-Banken als Belastung, so dass ich bereits innerhalb meiner vermögensverwaltenden Strategien und Fonds den Finanzsektor auf ein Minimum reduziert habe. Für mich steht fest, dass das aktuelle Geschäftsmodell, welches ausschließlich auf der ausgereizten Geldschöpfungspolitik basiert, sukzessive auslaufen wird und in Kombination mit den hohen Vorsorgemaßnahmen der Banken für nachhaltige Kreditausfälle zusätzlich Druck auf die Bilanzen der kommenden Monate ausüben wird. Doch wie sieht es in der Realwirtschaft aus?

Grundsätzlich bestehen meiner Ansicht nach diverse Sektoren, die durchaus ein höheres Umsatzpotenzial bieten und bei gleichzeitig andauernder Restrukturierung und Kostenkontrolle eine positive Gewinndynamik zeigen können. Diese Unternehmenssegmente sind zudem aktuell nicht auf der Watchlist der meisten Marktteilnehmer, da es sich um defensive Unternehmen handelt und nicht um die zuletzt stark gestiegenen zyklischen Unternehmen. Cash-Flow gilt als Schlüsselindikation, was soviel bedeutet wie, dass ich derzeit vor allem Unternehmen und Unternehmenssegmente favorisiere, die einen soliden Liquiditätsgrad und eine niedrige Verschuldungsquote vorweisen.

In der Quintessenz dokumentieren meine qualitativen Bewertungen in Kombination mit meinen Quant-Modellen, dass die künstlich geschaffenen Stabilisatoren durch Notenbanken und Regierungen Wirkung zeigen und das Auftragsvolumen der Realwirtschaft vor allem in Asien und Europa eine Erholung durchläuft.

Infrastrukturprojekte in den Bereichen Eisenbahn, Straßen, Flughäfen, Energieversorgung, Wissenschaft, Innovation, Gesundheitswesen und Bildung, geschaffen durch die staatlichen Eingriffe, haben die Weltwirtschaft vor einer noch größeren Depression bewahrt. Von einem sich selbsttragenden Aufschwung kann aber noch keine Rede sein, vor allem, wenn man die nach wie vor niedrigen Kapazitäten der verarbeitenden Industrie sowie die niedrige Produktivität der Unternehmen bewertet. Dennoch ist meine Überzeugung, dass vor allem realwirtschaftliche Sektoren wie Gesundheit/Pharmazie, Konsum- und Nahrungsmittelgüter, Basisgrundstoffe, Versorger, Telekommunikation und Dienstleistungen die chancenträchtigsten Segmente der nahen Zukunft darstellen.

Für den Gesamtmarkt sehe ich nach wie vor Gefahrenpotenzial, da das Umsatzwachstum des Marktes nicht so stark sein wird, wie es an diesem Punkt des ökonomischen Zyklus erwartet wird. Die Kostensenkungspolitik bzw. die Restrukturierungsmaßnahmen haben die relative Gewinnentwicklung der letzten Quartale zwar im allgemeinen Umfeld gesteigert, durch diesen Effekt erwarte ich allerdings für dieses Quartal nur noch eine eingeschränkte Stimulation. Die Berichtssaison wird zeigen, in welcher Verfassung sich die Unternehmen tatsächlich befinden und die aktuelle "Woche der Wahrheit" wird einen ersten Vorgeschmack diesbezüglich liefern.

Ihr Markus C. Zschaber
 
n-tv-Kolumne | 11. Januar 2010: Wo ist die Krise? (mehr)
Bewertet man die Bilanzen im Detail, so kann meiner Kenntnis nach festgehalten werden, dass diese einen sehr schwammigen Eindruck hinterlassen, da immer noch hunderte von Milliarden Dollar an "Ramschpapieren" in den besagten Bilanzen verankert sind. Problematisch sind, wie bereits mehrfach in meinen Telebörse-Kolumnen dokumentiert, die veränderten Bilanzierungsrichtlinien, welche den Banken ermöglichen, Wertpapiere, die eigentlich nahezu wertlos sind, nur mit geringfügigen Abschlägen zu bilanzieren.

Beispielsweise werden oftmals diese Toxic Assets mit gerade einmal 20 Prozent Abschlag bewertet, obwohl diese im Kern eigentlich nichts mehr wert sind. Die Banken kommunizieren gegenüber den Wirtschaftsprüfern bzw. den staatlichen Regulierungsbehörden, diese nicht verkaufen zu wollen, da diese Wertpapiere nachhaltig, also mit Blick auf die kommenden Jahre "werthaltig" wären. Die Problematik, die ich als Vermögensverwalter und Ökonom hierbei erkenne, ist, dass der Preismechanismus nicht ansatzweise einen intakten Zustand signalisiert. Daraus resultiert, dass die Preise weiterhin eine negative Entwicklung anzeigen und nachhaltig Druck auf die Banken ausgeübt wird.

Hintergrund hierfür ist die sich nach wie vor negativ entwickelnde Situation der Krise im Wohnimmobilienbereich, so dass sich die freien Cashflows, welche die Banken zunehmend generieren, verringern. Exakt diese sich noch intensivierende Perspektive wird bereits heute durch Wertanpassungen in der Aktiva bestätigt und in den kommenden Quartalen mit hoher Wahrscheinlichkeit zunehmen. Ich bin davon überzeugt, dass auch zukünftig kein Markt für die besagten Ramschpapiere entstehen wird, so dass nachhaltig der Abschreibungsdruck, wie angesprochen, zunehmen wird.

Bekanntermaßen sind es aber nicht nur die Bankhäuser auf der ganzen Welt, die horrende Wertverluste durch diese Wertpapiere hinnehmen mussten, sondern auch große Investoren, wie das Segment der Hedgefonds. Interessanterweise werden seitens diverser Hedgefonds mittlerweile Maßnahmen genutzt, die vor der Krise das endgültige "Aus" für einen Hedgefonds bedeutet hätten. Heutzutage gelten diese Maßnahmen als normal, da diese die einzige Möglichkeit sind, das Anlagesegment irgendwie durch die Krise zu manövrieren. Viele Hedgefonds leiden unter massiven Reputationsverlusten aufgrund der Finanzmarktkrise und den daraus entstandenen Verlustgrößen. Außerdem wird seitens der Investorengruppen die mangelnde Transparenz dieser Fondsgattung immer kritischer begutachtet. Die größte Problematik der Krise für die Hedgefonds ist meiner Meinung nach, dass die Renditen wortwörtlich einbrechen und teilweise sogar deutlich stärkere Verluste hingenommen werden müssen, wie an den Aktien- oder Rohstoffmärkten.

Daraus resultierte, dass ganze Investorenverbände horrende Summen aus dieser Anlageklasse weltweit abgezogen haben, was wiederum die Renditen zusätzlich unter Druck setzte. Eine Abwärtsspirale, die unzählige Hedgefonds in die Insolvenz führte. Alleine in den USA mussten über 130 hochkapitalisierte Hedgefonds seit Beginn der Krise geschlossen werden.

Doch zurück zu den besagten Gegenmaßnahmen, welche die Hedgefondsbranche seit einiger Zeit in sehr dynamischer Form umsetzt. Festzuhalten bleibt, dass der identischen Problematik, welcher die Banken ausgesetzt sind, auch die Hedgefonds in Bezug auf die illiquiden Toxic Assets vorfinden. Nämlich, dass keine Marktpreise gehandelt werden, was einen Verkauf unmöglich macht. Außerdem würden nach meinen Einschätzungen die Abschläge bzw. die Verluste, die durch einen Verkauf entstehen würden, die noch verbliebene Reputation wohl vollends ruinieren.

Nicht wirklich überraschend sind die unzähligen enttäuschten Privatanleger und institutionellen Investorengruppen, die hier Spekulationen eingegangen sind und jetzt das Nachsehen haben. Ich kann nur immer wieder betonen und bin eigentlich auch guter Hoffnung, dass eine Änderung der Investorenmentalität stattfinden wird und endlich die Risikocharakteristik eines Marktes bzw. eines Investments, die Gradmessung einer Investitionsentscheidung sein wird und nicht die eventuellen zukünftigen Performancemöglichkeiten.

Ihr Markus C. Zschaber
 
n-tv-Kolumne | 21. Dezember 2009: Was Anleger 2010 erwartet (mehr)
Das Jahr neigt sich dem Ende zu und das gesamtwirtschaftliche Bild unserer globalisierten Wirtschaft wirft nach wie vor Fragen auf, die eine klare Richtungsvorgabe erschweren. Die Zahl der Insolvenzen bewegt sich auf Rekordniveau, die Unternehmen reduzieren massiv ihre Kosten, was wiederum zukünftige Investitionen begrenzen wird und auf den deutschen Arbeitsmarkt wird die Krise wohl erst in den kommenden Monaten richtig durchschlagen. Auf der anderen Seite wurden durch die Notenbanken und Staaten der ganzen Welt monetäre Investitionsprogramme geschnürt, welche das marktwirtschaftliche System stabilisierten.

Nach meiner Auffassung befinden wir uns zwar in einer Normalisierung der Stresseffekte, welche durch die Insolvenz von Lehman Brothers in einem besonders hohen Maße entstanden waren, nicht aber in einem sich selbst tragenden Aufschwung. Dies gilt besonders für das kommende Jahr, auch wenn ich hervorheben möchte, dass die Märkte wohl noch nicht in der Verfassung sind, dies zu begreifen und sich stattdessen immer noch über die Liquidität, welche die Notenbanken mehr oder minder "verschenken", freuen.

Pluszeichen auf Krisenniveaus

Die Prognosen für die Industrie suggerieren für das kommende Jahr auf den ersten Blick eine positive Entwicklung von ungefähr 7 bis 10 Prozent Zuwachs im verarbeitenden Gewerbe der industrialisierten Nationen. Genau das wird auch oftmals durch viele Fondsmanager oder Vermögensverwalter als Indiz dafür genommen, dass sich der Industriesektor in einer sehr aussichtsreichen Verfassung befindet. Wichtig zu beachten ist jedoch, dass die Zahlen nur bei oberflächlicher Betrachtung imposant wirken. Die Tatsache, dass sich diese relativen Zahlenwerke auf das markant niedrige Niveau von 2009 beziehen, als sich in diversen Branchen und Segmenten die Umsätze um über 30 Prozent reduziert hatten, wird oftmals unbeachtet gelassen. Genauso wie die Situation, dass durch die prognostizierten Zuwächse nur ein kleiner Teil des zuvor entstandenen Rückgangs wieder kompensiert wird. Genau dies gilt nach meiner Ansicht als Hauptkriterium in der Beurteilung der Marktverfassung. Die Qualität der konjunkturellen Erholung und der Unternehmensbilanzen ist weder sonderlich gut noch selbsttragend.

Insgesamt erwarte ich somit ein recht volatiles Jahr 2010, da nach meiner Überzeugung erst eine Anpassung der Erwartungen an die tatsächliche Konsistenz und Qualität der Konjunktur und der Bilanzen vorhanden sein muss, bevor eine nachhaltig fundamentale Rechtfertigung für eine höhere Gewichtung eines ganzen Aktienmarktes besteht. Daraus erschließt sich, dass ich die Aktienmärkte nur stark eingeschränkt als bevorzugte Asset-Klasse ansehe bzw. lediglich eine aktive Steuerung der Aktienquoten als interessant erachte. Darüber hinaus können in volatilen Phasen Short-Positionen ein sehr interessantes Instrument sein, um die Schwankungsintensität positiv auszunutzen.

Richtige Branchen wählen

Nicht zu leugnen ist aber auch, dass absolute Perlen an den Aktienmärkten zu finden sind. Kriterien, welche ich bei der Auswahl besonders betrachte, sind: Solide ertragskräftige Unternehmen mit niedrigem Verschuldungsrad und einer hohen, Cashflow-orientierten Produktivität und ganz besonders Dividendenstrategien, also Unternehmen mit hoher Dividendenrendite und günstigen Buchwerten. Diese Kriterien sollten in erster Linie bei Branchen wie Gesundheit, Telekommunikation, Grundstoffe, Pharmazie, Versorger und europäischen Ölunternehmen zu finden sein. Bezüglich dieser Segmentierungen sehe ich sogar die höchste Performancechance, unter Berücksichtigung der Dividende, im gesamten Assetsegment.

Im kommenden Jahr erwarte ich in der Eurozone ein inflationistisches Potenzial von 1,5 bis 1,8 Prozent, also noch ungefährlich, da die Kapazitätsauslastung in der Industrie nach wie vor sehr niedrig ist und somit eine steile Zunahme der Löhne und Güterpreise sehr unwahrscheinlich ist. Auf der anderen Seite sehe ich eine Preisanstiegsgefahr bei Rohstoffen, welche, in Kombination mit der Verschuldungskrise der weltweiten Regierungen, vielleicht schon ab dem Jahr 2011 für ein Comeback höherer Inflation verantwortlich sein kann, sofern sich auch die Kapazitäten wieder sukzessive erholen. Die Ergreifung von Schutzmaßnahmen vor der Inflation bewerte ich als eine aktuell noch verfrühte Thematik, allerdings sollte ab dem 3. Quartal des kommenden Jahres dieses ein relevanter werdendes Thema werden können. Investmentstrategien wie Immobilien, Rohstoffe bzw. Industriemetalle, Aktien, inflationsgeschützte Staatsanleihen und auch eventuell Gold können dann im besonderten Interesse stehen.

Das Börsenjahr 2010 wird mit Sicherheit ein Jahr voller Herausforderungen - ich kann es kaum erwarten!

Ihr Markus C. Zschaber
 
n-tv-Kolumne | 14. Dezember 2009: Fahrlässige Ergebnisorientierung (mehr)
Die letzten Quartalsergebnisse der Unternehmen beiderseits des Atlantiks haben einmal mehr dokumentiert, dass nicht die Qualität der Bilanzen die Kurse, im kurzfristigen Kontext der aktuellen Marktphase, beeinflusst, sondern die Kunst des "Verkaufens", also schlechte Zahlen positiv durch die Unternehmensvorstände zu präsentieren.

Wenn ich mir die einzelnen Unternehmensbilanzen vor Augen führe bzw. die der Branchensegmente oder auch übergreifend auf einen ganzen Markt blicke, dann liegen die Gewinnentwicklungen und deren Zuwachsverteilung nach wie vor ca. -40 Prozent unter den Vergleichswerten von vor einem Jahr. Identisch kann dies auch auf die Umsatzentwicklung bezogen werden, so dass ich die Konsistenz der Unternehmensbilanzen immer noch mit großer Skepsis betrachte, ob denn die Aufschwungphantasien, die die Märkte hegen, auch in der Realwirtschaft umgesetzt werden. Natürlich bewerte ich die Überraschungskomponente der Markterwartungen sehr genau, da diese einen markttreibenden Einfluss hat, was auch in den letzten Monaten und Quartalen immer wieder zu beobachten war.

Die Frage ist, welche Hürden den Unternehmen derzeit zusätzlich zu der konjunkturellen Lage noch bevorstehen. Zum einen sehe ich die schleppende Kreditvergabe an Unternehmen als Bedrohung. Die Geschäftsbanken haben in ihrer derzeitigen unternehmenspolitischen Ausrichtung kein wirkliches Interesse daran, ihre Bilanzaktiva auszuweiten. Im Gegenteil: Bestehende Unternehmenskredite werden oftmals nicht einmal mehr verlängert. Die Aussage, dass wir uns in einer sogenannten Kreditklemme befinden, was laut Definition ein angebotsbedingtes, umfassendes Erliegen des Kreditneugeschäfts bedeuten würde, erachte ich aber noch als überzogen. Es bestehen jedoch Anzeichen, dass auch gesunde Unternehmen zukünftig nicht ausreichend Kredite zu angemessenen Konditionen bekommen könnten.

Fakt ist, dass sich die Unternehmen immer noch in einer Restrukturierungsphase befinden, so dass höhere Zinsbindungskosten auf der Finanzierungsseite nicht gerade entlastend wirken. In den zahlreichen Bilanzkonferenzen, an denen ich Woche für Woche teilnehme, wurde mir sehr schnell klar, dass die Unternehmen in Zeiten markanter Nachfragereduktionen natürlich alles versuchen werden, um ihre Schwächen in den Bilanzen möglichst optisch zu schönen. Um die angesprochene Flaute bei den Neuaufträgen zu relativieren, wurden in allen Unternehmenssektoren massive Kostensenkungsprogramme umgesetzt. Dies führte dazu, dass die Gewinnentwicklung vieler Industrieunternehmen, trotz wegbrechenden Umsätzen, stimuliert wurde.

Einfacher ausgedrückt: Wenn ein Unternehmen reduzierende Umsätze hat, gleichzeitig aber die Kosten noch stärker senkt, resultiert daraus eine positive Gewinnentwicklung. Ganz nach dem Motto: Minus und Minus ergibt Plus. Vor allem in den USA konnte ich in der jüngsten Berichtssaison massive Kostenersparnisse in fast allen Sektoren und ganz besonders im Industriebereich feststellen. Durch die besagte massive Kostenersparnis wurde, auf Basis des Nettoertrags, sogar vielfach das erwartete Ergebnis übertroffen. Dies sorgte für eine positive Stimmung bei den Marktteilnehmern, weil die Ergebnisse schlicht und einfach besser ausfielen, als die Erwartungen zuvor angesetzt waren. In Deutschland ansässige Unternehmen gelten in den Kostenreduzierungsplänen als benachteiligt, da diese aufgrund der Gewerkschaften und Tarifverträge beziehungsweise der Sonderabkommen in puncto Kurzarbeit nur bedingt die Flexibilität besitzen sich im großen Umfang zu restrukturieren. Die Überkapazitäten in Deutschland gelten daher, vor allem im internationalen Vergleich, immer noch als sehr hoch.

Ich bin mir sicher, dass, gerade in den USA und in vielen Teilen Europas, der Schwerpunkt von den Unternehmenslenkern zukünftig nicht auf Investitionen gelegt wird, sondern auf weitere Kostensenkungsmaßnahmen. Dies gilt nach meinen Erkenntnissen auch als die größte Wachstumshürde der kommenden Periode, da nur durch eine Wiederbelebung der Investitionsdynamik nachhaltiges Wachstum erzeugt werden kann. Denn wenn Investitionen stocken, sollte es schwierig sein, zukünftiges Wachstum zu erzielen, vor allem wenn man bedenkt, dass die staatlichen Stützen auslaufen werden.

Ihr Markus C. Zschaber
 

 

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